A_MMM | mediation modern
Einfluss sichtbar machen, ohne ihn verdeckt zu übernehmen
Mediation findet nicht in machtfreien Räumen statt. Auch dort, wo Augenhöhe angestrebt wird, wirken Unterschiede von Information, Sprache, Geld, Rolle, Abhängigkeit, institutioneller Stellung, emotionaler Belastbarkeit und Entscheidungsdruck.
Die Masterclass Macht in der Mediation untersucht, wie Macht in Mediationssystemen sichtbar, besprechbar und verfahrensgebunden werden kann – ohne sie moralisch zu verdächtigen und ohne sie verdeckt durch die Prozessführung selbst zu verstärken.

Worum es in dieser Masterclass geht
Ausgehend vom Ad_Monter Meta Modell richtet die Masterclass den Blick auf eine zentrale, aber oft nur indirekt behandelte Dimension mediativer Arbeit: Macht. In Konflikten wirkt Macht nicht nur als offene Dominanz. Sie zeigt sich auch in Deutungshoheit, Informationsvorsprung, ökonomischer Abhängigkeit, institutioneller Stellung, Schweigen, Sprachfähigkeit, Zeitdruck oder der Möglichkeit, ein Verfahren jederzeit verlassen zu können.
Im Zentrum steht daher nicht die moralische Bewertung von Macht, sondern ihre präzise Wahrnehmung: Welche Machtverhältnisse strukturieren das Konfliktsystem? Wie werden sie im Gespräch hörbar? Welche Macht übt die Mediatorin oder der Mediator selbst durch Fragen, Zusammenfassungen, Unterbrechungen, Setting und Verfahrensgestaltung aus? Und wie kann Prozessführung Macht sichtbar machen, ohne sie zu verdecken, zu dramatisieren oder selbst unreflektiert zu übernehmen?
Im Feld der Selbstklärung geht es zunächst um die Beteiligten selbst: darum, wie sie eigene Ohnmacht, Abhängigkeit, Schutzbedürfnisse, aber auch eigene Macht, Einflussmöglichkeiten und Verantwortung wahrnehmen können. Für Mediator:innen stellt sich daran anschließend die Aufgabe professioneller Selbstbeobachtung zweiter Ordnung: eigene Resonanzen, Schutzimpulse, Ausgleichswünsche, Steuerungsneigungen und blinde Flecken wahrzunehmen, ohne sie unbemerkt zur Logik des Verfahrens werden zu lassen.
Damit berührt die Masterclass eine Grundfrage professioneller Verfahrensführung: Mediation schafft keinen machtfreien Raum. Sie schafft einen Raum, in dem Macht sichtbar, besprechbar und verfahrensgebunden werden kann.
Die Masterclass verbindet theoretische Präzision mit fallnaher Übung. Sie richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen, Berater:innen und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die Macht in Konflikt- und Mediationssystemen genauer wahrnehmen und verantwortlicher gestalten wollen.
Themenfelder
Macht sehen
Welche Machtverhältnisse sind bereits Teil des Konfliktsystems, bevor das Gespräch beginnt? Wer kann entscheiden, zahlen, verzögern, abbrechen, definieren oder sanktionieren?
Macht hören
Wie wird Macht im Gespräch hörbar – in Unterbrechungen, Schweigen, Deutungshoheit, Sachlichkeitsansprüchen, emotionaler Glaubwürdigkeit oder sprachlicher Überlegenheit?
Macht der Mediator:in
Welche Macht entsteht durch Fragen, Zusammenfassungen, Themensetzung, Verlangsamung, Unterbrechung, Setting, Vertraulichkeit und die stille Autorität des Verfahrens?
Macht binden
Welche Verfahrensform macht Macht sichtbar und bearbeitbar, ohne sie zu verdecken, zu moralisieren oder naiv ausgleichen zu wollen?
Die Admonter Raute als Machtraum
Die Masterclass versteht die Admonter Raute als Orientierung für unterschiedliche Erscheinungsformen von Macht. In jedem Feld stellt sich die Machtfrage anders: als Struktur des Gegenstands, als Selbstklärung der Beteiligten, als professionelle Selbstbeobachtung der Mediator:innen, als Dynamik im Zwischenraum und als Aufgabe verantwortlicher Gestaltung.
c-it¹ – Macht als Gegenstand
Im Feld c-it¹ geht es darum, Machtverhältnisse als Teil des Konfliktsystems sichtbar zu machen: Rollen, Rechte, Ressourcen, Abhängigkeiten, Informationsvorsprünge, Auftraggeber:innenmacht, institutionelle Rahmen und Alternativen zur Einigung.
c-me – Macht, Selbstklärung und Selbstbeobachtung
Im Feld c-me bleibt Selbstklärung den Beteiligten vorbehalten. Sie umfasst nicht nur Ohnmacht, Druck, Schutzbedürfnis, Abhängigkeit oder Ambivalenz, sondern auch die Wahrnehmung eigener Macht: Wo verfüge ich über Einfluss, Deutungshoheit, Ressourcen, Verweigerungsmöglichkeiten, emotionale Wirkung oder Entscheidungsspielraum? Und wie gehe ich mit dieser Macht um?
Für Mediator:innen geht es zugleich um professionelle Selbstbeobachtung zweiter Ordnung: Wo entstehen Retterimpulse, Ausgleichswünsche, Scheu vor Konfrontation, Faszination durch Autorität oder verdeckte Parteinahmen? Und wie lässt sich die eigene Resonanz wahrnehmen, ohne sie unbemerkt zur Steuerung des Prozesses werden zu lassen?
c-us – Macht im Zwischenraum
Im Feld c-us wird Macht relational hörbar. Wer bekommt Stimme? Wer wird unterbrochen? Wer definiert Begriffe? Wer gilt als sachlich, wer als emotional? Wo entsteht Antwortfähigkeit – und wo bloße Anpassung, Rückzug oder strategisches Schweigen?
c-it² – Macht durch Verfahren gestalten
Im Feld c-it² geht es um Prozessarchitektur: Setting, Informationsflüsse, Entscheidungsbefugnisse, Schutzmechanismen, Einzelgespräche, externe Beratung, rechtliche Absicherung und tragfähige Vereinbarungsformen.
Format
Die Masterclass verbindet vier Webinare à 3 Stunden mit einer verbindenden Begleitung im A_MMM Campus. Machtlandkarten, Fallvignetten, Transkriptausschnitte, Reflexionsaufträge und Peer-Resonanzen vertiefen die Arbeit zwischen den Live-Terminen.
So entsteht ein Lernraum, in dem Macht nicht als Störung oder Defizit behandelt wird, sondern als unvermeidliche Bedingung sozialer Kommunikations- und Entscheidungsprozesse. Die Teilnehmenden üben, Machtverhältnisse genauer zu sehen, sprachlich wahrzunehmen und durch verantwortliche Prozessgestaltung zu binden.
Didaktische Dramaturgie
Webinar 1: Macht sehen
Einführung in Macht als Struktur sozialer Systeme. Arbeit mit Machtlandkarten: Wer verfügt über welche Ressourcen, Rollen, Abhängigkeiten, Entscheidungsbefugnisse und Alternativen?
Webinar 2: Macht hören
Arbeit an Gesprächssequenzen und Vignetten. Beobachtung von Deutungshoheit, Schweigen, Unterbrechung, Sachlichkeitsanspruch, emotionaler Glaubwürdigkeit und Verlust von Stimme.
Webinar 3: Macht, Selbstklärung und Selbstbeobachtung
Arbeit an der doppelten c-me-Perspektive: Wie können Beteiligte eigene Ohnmacht, eigene Macht und eigene Verantwortung klären? Und wie beobachten Mediator:innen ihre eigene Verfahrensmacht, Resonanzen, Schutzimpulse und Steuerungsneigungen, ohne sie verdeckt in den Prozess einzutragen?
Webinar 4: Macht verfahrensgebunden gestalten
Entwicklung von Prozessarchitekturen für asymmetrische Konflikte. Anwendung der Admonter Raute auf Macht, Verantwortung und tragfähige Gestaltung.
Rahmen
4 Webinare à 3 Stunden
Verbindende Begleitung im A_MMM Campus
Fallarbeit, Reflexionsaufgaben und Peer-Resonanz
Kleine exklusive Gruppe
Max. 8–10 Teilnehmende
Die erste Durchführung ist für Herbst 2027 vorgesehen. Konkrete Termine und Teilnahmebeitrag werden mit Öffnung der Anmeldung bekanntgegeben.
Für wen diese Masterclass gedacht ist
Die Masterclass richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen, Berater:innen, Supervisor:innen, Coaches, Rechtsanwält:innen mit Mediationsbezug und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die Macht in Konflikt- und Mediationssystemen nicht ausblenden, sondern professionell wahrnehmen und verfahrensgebunden bearbeiten wollen.
Sie ist besonders geeignet für Menschen, die mit asymmetrischen Konflikten arbeiten: in Familienunternehmen, Nachfolgeprozessen, Stiftungen, Organisationen, Gesellschafterkonflikten, Arbeitsplatzkonflikten oder Trennungs- und Scheidungskonstellationen mit ökonomischer oder emotionaler Abhängigkeit.
Leitung
Die Masterclasses von A_MMM | mediation modern werden von Gustav Wurm und Elisabeth Wurm gemeinsam gestaltet. In ihrer Arbeit verbinden sie fachliche Präzision, didaktische Erfahrung und eine mediativ geprägte Prozesssensibilität, in der Struktur, Sprache, Beziehung und Reflexion nicht voneinander getrennt werden.
Gustav Wurm
ist eingetragener Mediator (BMJ), Erwachsenenbildner (wba), Unternehmensberater und Initiator des Ad_Monter Meta Modells. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Mediation, Governance und systemischer Prozessbegleitung. Er verbindet dialogische Feinarbeit mit struktureller Klarheit und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Übergangs- und Entscheidungssituationen. Zum Profil von Gustav Wurm
Elisabeth Wurm
ist eingetragene Mediatorin (BMJ), Juristin, Unternehmensberaterin und Erwachsenenbildnerin. Sie verbindet juristische Klarheit mit systemischer Beziehungssensibilität und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Lebens- und Entscheidungssituationen mit Präsenz, Struktur und Vertrauen in das Potenzial von Beziehung. In die Masterclasses bringt sie eine klare, zugewandte Perspektive auf Veränderung, Verantwortung und würdige Prozessbegleitung ein. Zum Profil von Elisabeth Wurm