Masterclass Präsenz in der Mediation

A_MMM | mediation modern

Die Schwelle von Selbstklärung zu Dialogfähigkeit halten

Der Übergang von Selbstklärung zu Dialogfähigkeit geschieht nicht automatisch. Nur weil Beteiligte beginnen, sich selbst, ihre Bindungen, Verletzungen oder Ambivalenzen genauer wahrzunehmen, entsteht noch kein tragfähiger Dialog. Zwischen innerer Klärung und Begegnung liegt eine Schwelle.

Die Masterclass Präsenz, die trägt untersucht, welche professionelle Anwesenheit Mediator:innen brauchen, um diese Schwelle zu halten: wach, resonanzfähig, belastbar und zugleich frei genug, den Dialograum nicht zu kontrollieren.

A_MMM | mediation modern – Masterclass Präsenz, die trägt

Worum es in dieser Masterclass geht

Ausgehend vom Ad_Monter Meta Modell richtet die Masterclass den Blick auf eine stille, aber entscheidende Dimension mediativer Arbeit: die Präsenz der Mediatorin oder des Mediators. Präsenz meint hier nicht bloß Aufmerksamkeit, Ruhe oder methodische Souveränität. Gemeint ist die Fähigkeit, sich selbst so zu halten, dass andere sich zeigen können.

Im Zentrum steht die Schwelle von c-me zu c-us: von Selbstklärung zu Dialogfähigkeit. Beteiligte können beginnen, ihre eigene Lage, ihre Betroffenheit, ihre Schutzbewegungen oder ihre Ambivalenzen wahrzunehmen. Doch daraus entsteht noch kein Dialog. Erst wenn ein Raum entsteht, in dem Antwort möglich wird, kann Selbstklärung in Begegnung übergehen.

Diese Schwelle wird wesentlich durch die professionelle Präsenz der Mediator:innen mitgehalten. Nicht als Mittelpunkt des Geschehens, nicht als steuernde Instanz und nicht als Person, die den Dialog herstellt. Sondern als jemand, der wahrnimmt, verlangsamt, schützt, resoniert und zugleich beobachtet, wie die eigene Reaktion in den Prozess hineinwirken könnte.

Die Masterclass arbeitet daher nicht an Präsenz als persönlicher Eigenschaft, sondern an Präsenz als professioneller Prozessfähigkeit: an Kohärenz, Resilienz, Empathie, beobachtender Reflexion und Resonanz.

Themenfelder

Kohärenz

Wie bleibe ich innerlich gesammelt, auch wenn Irritation, Unklarheit oder Druck entstehen? Woran erkenne ich, dass ich den inneren Faden verliere?

Resilienz

Wie halte ich Spannung, Angriff, Schweigen oder Nicht-Wissen aus, ohne vorschnell zu beruhigen, zu erklären oder zu kontrollieren?

Empathie und Grenze

Wie lasse ich mich berühren, ohne in die Geschichte der Beteiligten hineinzufallen? Wo liegt die Grenze zwischen Mitfühlen und Mitgehen?

Beobachtende Reflexion

Wie beobachte ich nicht nur den Raum, sondern auch mich selbst im Raum? Welche eigenen Reaktionen halte ich zu schnell für besonders glaubwürdig?

Resonanz

Wie nehme ich Atmosphären, Brüche, Beschleunigungen, Rückzüge und Verdichtungen wahr, ohne sie sofort zu deuten oder zu besetzen?

Dialogfähigkeit

Woran wird sichtbar, dass aus Selbstklärung eine erste Antwortfähigkeit entstehen kann – und woran, dass der Raum noch nicht tragfähig genug ist?

Die Admonter Raute als Schwellenraum

Die Masterclass versteht die Admonter Raute nicht nur als Struktur mediativer Prozessbewegung, sondern als Orientierung für die Schwelle zwischen innerer Klärung und dialogischer Begegnung. Der Schwerpunkt liegt auf dem Übergang von c-me zu c-us.

c-it¹ – Was muss geklärt sein?

Im Feld c-it¹ stellt sich die Frage, welche Situation, welcher Gegenstand und welche Prozesslage überhaupt vorliegen. Präsenz braucht auch Struktur: Ohne ausreichende Klärung wird Raumhalten leicht diffus.

c-me – Selbstklärung der Beteiligten

Im Feld c-me geht es um die Selbstklärung der Beteiligten: Was wird innerlich berührbar? Welche Ambivalenzen, Schutzbewegungen oder Grenzen zeigen sich? Die Mediator:in hält diesen Raum, ohne ihn zu vereinnahmen.

c-us – Dialogfähigkeit im Zwischenraum

Im Feld c-us zeigt sich, ob aus Selbstklärung eine erste Antwortbewegung entstehen kann. Präsenz unterstützt hier nicht Verständigung um jeden Preis, sondern die Möglichkeit, einander als Gegenüber wieder wahrzunehmen.

c-it² – Gestaltung aus getragenem Raum

Im Feld c-it² stellt sich die Frage, welche Gestaltung erst dann tragfähig wird, wenn der Raum zuvor gehalten wurde. Vereinbarungssprache kommt nicht zu früh, sondern aus einem bewohnbaren Zwischenraum.

Format

Die Masterclass verbindet vier Webinare à 3 Stunden mit einer verbindenden Begleitung im A_MMM Campus. Kurze Theorieimpulse, Fallvignetten, Beobachtungsübungen, Reflexionsaufträge und Peer-Resonanzen vertiefen die Arbeit zwischen den Live-Terminen.

So entsteht ein Lernraum, in dem Präsenz nicht abstrakt beschrieben, sondern als professionelle Fähigkeit beobachtet und geübt wird: im Umgang mit Spannung, Resonanz, Schweigen, Angriff, Unklarheit und der eigenen Neigung, den Raum zu beruhigen oder zu kontrollieren.

Didaktische Dramaturgie

Webinar 1: Präsenz als Prozessqualität

Einführung in mediative Präsenz am Übergang von c-me zu c-us. Unterscheidung zwischen Aufmerksamkeit, Methode, Charisma und professioneller Raumhaltefähigkeit.

Webinar 2: Kohärenz und Resilienz

Arbeit an Situationen von Spannung, Angriff, Schweigen, Unklarheit und Kontrollimpuls. Reflexion der Frage, welche Spannungen ich als Mediator:in am liebsten sofort beruhigen möchte.

Webinar 3: Empathie, Grenze und Resonanz

Übungen zur Wahrnehmung von Atmosphären, Brüchen, Rückzügen und Verdichtungen. Arbeit an der Grenze zwischen Mitfühlen, Mitgehen, Deuten und Besetzen.

Webinar 4: Beobachtung zweiter Ordnung

Entwicklung einer persönlichen Präsenzlandkarte: Woran verliere ich Präsenz? Welche Resonanz deute ich zu schnell? Welche Intervention setze ich, um meine eigene Spannung zu entlasten?

Rahmen

4 Webinare à 3 Stunden
Verbindende Begleitung im A_MMM Campus
Fallarbeit, Reflexionsaufgaben und Peer-Resonanz
Kleine exklusive Gruppe
Max. 8–10 Teilnehmende

Die erste Durchführung ist für Oktober bis November 2027 vorgesehen. Konkrete Termine und Teilnahmebeitrag werden mit Öffnung der Anmeldung bekanntgegeben.

Zum Campus

Für wen diese Masterclass gedacht ist

Die Masterclass richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen, Berater:innen, Supervisor:innen, Coaches und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die ihre professionelle Präsenz in anspruchsvollen Konflikt- und Dialogsituationen vertiefen wollen.

Sie ist besonders geeignet für Menschen, die bereits über Grundlagen mediativer Gesprächsführung verfügen und genauer wahrnehmen möchten, wie sich eigene Resonanzen, Steuerungsimpulse, Schutzbewegungen und innere Unruhe auf die Qualität des Dialograums auswirken.

Leitung

Die Masterclasses von A_MMM | mediation modern werden von Gustav Wurm und Elisabeth Wurm gemeinsam gestaltet. In ihrer Arbeit verbinden sie fachliche Präzision, didaktische Erfahrung und eine mediativ geprägte Prozesssensibilität, in der Struktur, Sprache, Beziehung und Reflexion nicht voneinander getrennt werden.

Gustav Wurm

ist eingetragener Mediator (BMJ), Erwachsenenbildner (wba), Unternehmensberater und Initiator des Ad_Monter Meta Modells. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Mediation, Governance und systemischer Prozessbegleitung. Er verbindet dialogische Feinarbeit mit struktureller Klarheit und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Übergangs- und Entscheidungssituationen. Zum Profil von Gustav Wurm

Elisabeth Wurm

ist eingetragene Mediatorin (BMJ), Juristin, Unternehmensberaterin und Erwachsenenbildnerin. Sie verbindet juristische Klarheit mit systemischer Beziehungssensibilität und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Lebens- und Entscheidungssituationen mit Präsenz, Struktur und Vertrauen in das Potenzial von Beziehung. In die Masterclasses bringt sie eine klare, zugewandte Perspektive auf Veränderung, Verantwortung und würdige Prozessbegleitung ein. Zum Profil von Elisabeth Wurm