Masterclass Soziale Grammatik

A_MMM | mediation modern

Soziale Grammatik in der Mediation

Konflikte scheitern selten nur an dem, worüber gesprochen wird. Oft verfestigen sie sich in der Form, in der gesprochen wird: in Zuschreibungen, Totalisierungen, Rechtfertigungen, Entwertungen oder scheinbar sachlichen Sätzen, die keinen Raum mehr lassen, in dem der andere anders erscheinen könnte als bereits festgelegt.

Die Masterclass Soziale Grammatik in der Mediation untersucht, wie Sprache in Konflikten soziale Wirklichkeit mit hervorbringt – und wie mediative Prozessführung an den sprachlichen Bedingungen von Verständigung arbeitet.

A_MMM | mediation modern – Masterclass Soziale Grammatik in der Mediation

Worum es in dieser Masterclass geht

Ausgehend vom Ad_Monter Meta Modell richtet die Masterclass den Blick auf eine häufig unterschätzte Dimension mediativer Arbeit: die Form des Sprechens. Sprache transportiert nicht nur Inhalte. Sie verteilt Rollen, markiert Verantwortlichkeiten, öffnet oder verschließt Anschlussmöglichkeiten und entscheidet mit darüber, ob ein Konflikt bearbeitbar bleibt oder sich weiter verhärtet.

Im Zentrum steht daher nicht bloß Gesprächsführung, sondern eine vertiefte Wahrnehmung sozialer Grammatik: Welche Sprachformen verengen den Raum? Welche Sätze schreiben Menschen fest? Wo entsteht Antwortfähigkeit? Und wie kann eine mediative Intervention die Grammatik des Prozesses verschieben, ohne die Beteiligten sprachlich zu glätten oder zu enteignen?

Damit berührt die Masterclass auch eine zentrale Frage legitimer Verfahrensführung: Nicht nur Struktur, Rolle und Mandat entscheiden darüber, ob ein Prozess trägt. Auch die Sprachform des Verfahrens muss Schutz, Antwortfähigkeit und Nicht-Beschädigung wahren. Soziale Grammatik wird damit zu einer feinen Wahrnehmung dafür, ob ein Verfahren nicht nur formal korrekt, sondern im Vollzug bewohnbar bleibt.

Die Masterclass verbindet theoretische Präzision mit fallnaher Übung. Sie richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die ihre Wahrnehmung für Sprachformen in Konflikten vertiefen und ihre eigene Interventionssprache feldsensibler entwickeln wollen.

Themenfelder

Sprache ist nicht bloß Transportmittel

Wie bringt Sprache soziale Wirklichkeit mit hervor? Und woran wird sichtbar, dass ein Satz nicht nur etwas sagt, sondern im Raum etwas tut?

Die Grammatik des Konflikts

Wie wirken Zuschreibung, Totalisierung, Moralisierung, Entwertung und Rechtfertigung als Formen der Verengung?

Die mediative Verschiebung

Wie kann Mediation sprachlich von Festlegung zu Selbstverortung, von Gegenrede zu Antwortfähigkeit und von Fixierung zu Bearbeitbarkeit führen?

Prozessverantwortung als Sprachverantwortung

Wie lässt sich benennen, ohne festzuschreiben, zuspitzen, ohne zu beschämen, unterbrechen, ohne zu entwürdigen, und spiegeln, ohne die Stimme der Beteiligten zu übernehmen?

Die Admonter Raute als Sprachraum

Die Masterclass versteht die Admonter Raute nicht nur als Struktur sozialer Prozessbewegung, sondern auch als Differenzierung unterschiedlicher Sprachräume. Jedes Feld des A_MMM verlangt eine eigene sprachliche Qualität – mit eigener Kraft und eigener Gefährdung.

c-it¹ – Sprache der Klärung

Im Feld c-it¹ geht es um Gegenstandserfassung, Unterscheidung und Ordnung. Sprache soll kenntlich machen, worum es geht – und worum nicht. Ihre Gefährdung liegt in vorschneller Fixierung und Scheinklarheit.

c-me – Sprache der Selbstverortung

Im Feld c-me geht es um innere Wahrnehmung, Ambivalenz und tastende Selbstklärung. Sprache wird vorläufiger, suchender und persönlicher. Ihre Gefährdung liegt in Diffusion oder psychologisierender Ausweitung.

c-us – Sprache der Antwortfähigkeit

Im Feld c-us wird Sprache relational. Es geht um Hörbarkeit, Bezugnahme und die Anerkennung des anderen als Gegenüber. Ihre Gefährdung liegt im Scheindialog oder in vorschneller Versöhnungssemantik.

c-it² – Sprache der Gestaltung

Im Feld c-it² wird Sprache verbindlich, regelbildend und zukunftsgerichtet. Sie formuliert Vereinbarungen, Grenzen und Übergänge. Ihre Gefährdung liegt in zu früher Lösungssprache.

Format

Die Masterclass verbindet vier Webinare à 3 Stunden mit einer verbindenden Moodle-Begleitung im A_MMM Campus. Essays, Fallvignetten, Reflexionsaufträge, kurze Beobachtungsübungen und Peer-Resonanzen vertiefen die Arbeit zwischen den Live-Terminen.

So entsteht ein Lernraum, in dem nicht nur über Sprache gesprochen wird. Die Teilnehmenden üben, konkrete Sprachformen in Konflikten genauer zu hören, ihre soziale Wirkung zu unterscheiden und eigene Interventionen so zu entwickeln, dass sie nicht bloß methodisch korrekt erscheinen, sondern im Prozess tatsächlich tragen.

Didaktische Dramaturgie

Webinar 1: Was Sprache im Konflikt tut

Einführung in den Begriff der sozialen Grammatik. Unterscheidung zwischen Inhalt, Form und sozialer Wirkung eines Satzes.

Webinar 2: Konfliktgrammatik erkennen

Arbeit an typischen Verengungsformen: Zuschreibung, Totalisierung, Moralisierung, Entwertung, Rechtfertigung und Gegenrede.

Webinar 3: Mediativ verschieben

Übung an sprachlichen Interventionen: von der Festlegung zur Selbstverortung, von Behauptung zu Erkundung, von Abwehr zu Antwortfähigkeit.

Webinar 4: Feldsensibel sprechen

Anwendung der Admonter Raute als Sprachraum. Entwicklung einer persönlichen Interventionslandkarte für die eigene Praxis – mit Blick darauf, welche Sprachform in welchem Feld trägt und welche zu früh kommt.

Rahmen

4 Webinare à 3 Stunden
Verbindende Begleitung im A_MMM Campus
Fallarbeit, Reflexionsaufgaben und Peer-Resonanz
Kleine exklusive Gruppe
Max. 8–10 Teilnehmende

Die erste Durchführung ist für September bis November 2026 vorgesehen. Konkrete Termine und Teilnahmebeitrag werden mit Öffnung der Anmeldung bekanntgegeben.

Zum Campus

Für wen diese Masterclass gedacht ist

Die Masterclass richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen, Berater:innen, Supervisor:innen, Coaches und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die mediativen Prozessen sprachlich genauer gerecht werden wollen.

Sie ist besonders geeignet für Menschen, die bereits über Grundlagen mediativer Gesprächsführung verfügen und nun vertiefen möchten, wie sich professionelle Prozessverantwortung in der konkreten Form des Sprechens zeigt.

Leitung

Die Masterclasses von A_MMM | mediation modern werden von Gustav Wurm und Elisabeth Wurm gemeinsam gestaltet. In ihrer Arbeit verbinden sie fachliche Präzision, didaktische Erfahrung und eine mediativ geprägte Prozesssensibilität, in der Struktur, Sprache, Beziehung und Reflexion nicht voneinander getrennt werden.

Gustav Wurm

ist eingetragener Mediator (BMJ), Erwachsenenbildner (wba), Unternehmensberater und Initiator des Ad_Monter Meta Modells. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Mediation, Governance und systemischer Prozessbegleitung. Er verbindet dialogische Feinarbeit mit struktureller Klarheit und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Übergangs- und Entscheidungssituationen. Zum Profil von Gustav Wurm

Elisabeth Wurm

ist eingetragene Mediatorin (BMJ), Juristin, Unternehmensberaterin und Erwachsenenbildnerin. Sie verbindet juristische Klarheit mit systemischer Beziehungssensibilität und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Lebens- und Entscheidungssituationen mit Präsenz, Struktur und Vertrauen in das Potenzial von Beziehung. In die Masterclasses bringt sie eine klare, zugewandte Perspektive auf Veränderung, Verantwortung und würdige Prozessbegleitung ein. Zum Profil von Elisabeth Wurm