A_MMM | mediation modern
Zwischen Resonanz, Differenz und fairer Verfahrensführung
Allparteilichkeit gehört zu den anspruchsvollsten Haltungen der Mediation. Sie verlangt, Unterschiedlichkeit ernst zu nehmen, ohne in Parteilichkeit zu kippen, Resonanz wahrzunehmen, ohne sich vereinnahmen zu lassen, und Führung auszuüben, ohne Fairness zu verlieren.
Die Masterclass Allparteilichkeit in der Mediation vertieft Allparteilichkeit als professionelle Balancierungsleistung im Spannungsfeld von Nähe, Schutz, Führung und Unterschied. Sie fragt nicht nur nach Haltung, sondern nach einer Praxis fairer und differenzsensibler Verfahrensführung.

Worum es in dieser Masterclass geht
Ausgehend vom Ad_Monter Meta Modell wird Allparteilichkeit nicht als moralische Formel, sondern als Prozesskunst verstanden. Die Masterclass richtet den Blick auf jene Situationen, in denen sich entscheidet, ob der Dritte Unterschiede fair hält, Asymmetrien angemessen wahrnimmt und Beziehungen so führt, dass Verständigung möglich bleibt.
Dabei geht es um innere Neigungen, Resonanzen und Schutzimpulse ebenso wie um die konkrete Gestaltung des Zwischenraums und die Frage, wie faire Verfahrensführung in konfliktbelasteten Systemen erfahrbar wird.
Allparteilichkeit zeigt sich nicht darin, zu allen gleich viel Abstand zu halten. Sie zeigt sich in der Fähigkeit, Unterschiedliches unterschiedlich wahrzunehmen, ohne die Fairness des Verfahrens zu verlieren. Gerade darin liegt ihre besondere professionelle Spannung.
Themenfelder
Gegenstand und Rahmung
Wessen Beschreibung bekommt früh Geltung? Und wie lässt sich der Gegenstand in den Raum bringen, ohne verdeckte Allianzbildungen zu erzeugen?
Innere Allparteilichkeit
Wie lassen sich Sympathie, Irritation, Schutzimpulse und Resonanzen wahrnehmen, ohne ihnen unbemerkt zu folgen?
Fairness im Zwischenraum
Wie kann der Dritte schützen, unterbrechen, spiegeln und konfrontieren, ohne zu entmündigen oder Unterschiede vorschnell zu glätten?
Gestaltung trotz Asymmetrie
Wie wird Allparteilichkeit in Entscheidungen und Vereinbarungen wirksam – gerade dort, wo Macht, Verantwortung und Verletzlichkeit ungleich verteilt sind?
Die Admonter Raute als Raum allparteilicher Führung
Die Masterclass versteht die Admonter Raute als Orientierung für unterschiedliche Bewährungsformen von Allparteilichkeit. In jedem Feld stellt sich die Frage fairer Verfahrensführung anders: beim Rahman des Gegenstands, in der Wahrnehmung eigener Resonanzen, im Zwischenraum der Beziehung und in der Gestaltung tragfähiger Vereinbarungen.
c-it¹ – Allparteilichkeit in der Rahmung
Im Feld c-it¹ bewährt sich Allparteilichkeit daran, wie der Gegenstand in den Raum kommt. Welche Beschreibung erhält Gewicht? Welche Deutung bleibt offen? Die Gefahr liegt in verdeckter Vorstrukturierung oder einer frühen Allianz mit einer Konfliktbeschreibung.
c-me – Allparteilichkeit in der Selbstklärung
Im Feld c-me zeigt sich Allparteilichkeit auch als Arbeit an der eigenen Resonanz. Sympathie, Irritation, Schutzimpulse und Gegenbewegungen werden wahrgenommen, ohne sie unbemerkt zur Prozesslogik werden zu lassen.
c-us – Allparteilichkeit im Zwischenraum
Im Feld c-us bewährt sich Allparteilichkeit daran, ob Beziehung so gehalten wird, dass Unterschied sichtbar bleiben darf, ohne Beschädigung zu erzeugen. Die Gefahr liegt in vorschneller Harmonisierung oder in einem Schutz, der selbst parteilich wird.
c-it² – Allparteilichkeit in der Gestaltung
Im Feld c-it² zeigt sich Allparteilichkeit daran, ob Vereinbarungen, Rollenklärungen und nächste Schritte auch bei ungleichen Voraussetzungen fair tragfähig werden. Die Gefahr liegt in formaler Symmetrie, wo differenzsensible Gestaltung nötig wäre.
Format
Die Masterclass verbindet vier Webinare à 3 Stunden mit einer verbindenden Begleitung im A_MMM Campus. Beobachtungsaufträge, Fallvignetten, Transkriptausschnitte und Reflexionsräume helfen dabei, Allparteilichkeit nicht nur als Ideal, sondern als konkrete professionelle Praxis zu vertiefen.
So entsteht ein Arbeitsraum, in dem Resonanz, Differenz und Verfahrensverantwortung in ihrer wechselseitigen Spannung genauer bearbeitet werden können.
Didaktische Dramaturgie
Webinar 1: Was heißt Allparteilichkeit?
Einführung in Allparteilichkeit als professionelle Balancierungsleistung. Unterscheidung zwischen Neutralität, Fairness, Resonanz und parteilicher Vereinnahmung.
Webinar 2: Resonanz, Irritation und innere Bewegungen
Arbeit an Situationen, in denen Sympathie, Schutzimpuls, Ärger oder Distanz die Wahrnehmung des Dritten beeinflussen. Reflexion eigener Resonanz als Teil professioneller Selbstklärung.
Webinar 3: Fairness im Zwischenraum
Fallarbeit zu Schutz, Unterbrechung, Konfrontation und Beziehungsgestaltung. Beobachtung dessen, woran allparteiliche Führung in sensiblen Gesprächssituationen erkennbar wird.
Webinar 4: Differenzsensibel gestalten
Anwendung der Admonter Raute auf asymmetrische Konstellationen. Entwicklung einer persönlichen Landkarte für allparteiliche Prozessführung in der eigenen Praxis.
Rahmen
4 Webinare à 3 Stunden
Verbindende Begleitung im A_MMM Campus
Fallarbeit, Reflexionsaufgaben und Peer-Resonanz
Kleine exklusive Gruppe
Max. 8–10 Teilnehmende
Die erste Durchführung ist für April bis Juni 2027 vorgesehen. Konkrete Termine und Teilnahmebeitrag werden mit Öffnung der Anmeldung bekanntgegeben.
Für wen diese Masterclass gedacht ist
Die Masterclass richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen, Berater:innen, Supervisor:innen, Coaches und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die Allparteilichkeit nicht nur als Haltung, sondern als konkrete professionelle Praxis fairer Verfahrensführung vertiefen wollen.
Sie ist besonders geeignet für Menschen, die bereits über Grundlagen mediativer Gesprächsführung verfügen und genauer wahrnehmen möchten, wie Resonanz, Differenz, Schutz und Führung in anspruchsvollen Konfliktlagen miteinander in Spannung geraten.
Leitung
Die Masterclasses von A_MMM | mediation modern werden von Gustav Wurm und Elisabeth Wurm gemeinsam gestaltet. In ihrer Arbeit verbinden sie fachliche Präzision, didaktische Erfahrung und eine mediativ geprägte Prozesssensibilität, in der Struktur, Sprache, Beziehung und Reflexion nicht voneinander getrennt werden.
Gustav Wurm
ist eingetragener Mediator (BMJ), Erwachsenenbildner (wba), Unternehmensberater und Initiator des Ad_Monter Meta Modells. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Mediation, Governance und systemischer Prozessbegleitung. Er verbindet dialogische Feinarbeit mit struktureller Klarheit und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Übergangs- und Entscheidungssituationen. Zum Profil von Gustav Wurm
Elisabeth Wurm
ist eingetragene Mediatorin (BMJ), Juristin, Unternehmensberaterin und Erwachsenenbildnerin. Sie verbindet juristische Klarheit mit systemischer Beziehungssensibilität und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Lebens- und Entscheidungssituationen mit Präsenz, Struktur und Vertrauen in das Potenzial von Beziehung. In die Masterclasses bringt sie eine klare, zugewandte Perspektive auf Veränderung, Verantwortung und würdige Prozessbegleitung ein. Zum Profil von Elisabeth Wurm