A_MMM | mediation modern
Von der Rolle zur dienenden Macht
Legitimität ist in der Mediation nicht nur eine Frage des Mandats, der Rolle oder der formalen Beauftragung. Sie entscheidet sich im Prozess selbst: darin, ob die Anwesenheit und Einflussnahme des Dritten von den Beteiligten als tragfähig, fair und beziehungsfähig erlebt wird.
Die Masterclass Legitimität in Mediationsverfahren untersucht, wie sich die Anwesenheit und Einflussnahme des Dritten im mediativen Prozess relational und prozessual legitimiert – vom Gegenstand her, über Selbstklärung und Zwischenraum bis zur Gestaltung des Weiteren.

Worum es in dieser Masterclass geht
Ausgehend vom Ad_Monter Meta Modell richtet die Masterclass den Blick auf eine der anspruchsvollsten Fragen mediationsförmiger Prozessführung: Was legitimiert den Dritten – nicht abstrakt, sondern im Vollzug? Dabei wird sichtbar, dass Legitimität kein Besitzstand ist, sondern ein Beziehungsgeschehen, das sich bilden, vertiefen und auch wieder brüchig werden kann.
Im Zentrum stehen nicht bloß Methoden, sondern Fragen dienender Macht, fairer Verfahrensführung, prozessualer Bewährung und der stillen Erlaubnis, einen Konflikt begleiten zu dürfen.
Legitime Prozessführung zeigt sich dabei nicht nur an Struktur, Transparenz und Rollenklärung. Sie bewährt sich auch daran, wie der Dritte den Raum hält: ob er schützt, ohne zu vereinnahmen, strukturiert, ohne zu dominieren, vertieft, ohne zu übergreifen, und gestaltet, ohne dem Prozess vorschnell eine Lösung aufzudrängen.
Themenfelder
Gegenstand und Zurückhaltung
Wie beginnt Legitimität bereits bei der Art, wie der Konfliktgegenstand in den Raum kommt – ohne vorschnelle Deutung und ohne Besitzergreifen?
Selbstklärung und Grenze
Wie kann der Dritte innere Klärungsbewegungen ermöglichen, ohne in die Innenseite des Anderen überzugreifen?
Dienende Macht
Wie lässt sich Einfluss ausüben, ohne zu dominieren – strukturierend, fair und dem Raum dienend?
Bewährung und Bruch
Woran zeigt sich, dass Legitimität wächst? Und woran wird spürbar, dass sie brüchig geworden ist?
Die Admonter Raute als Legitimationsraum
Die Masterclass versteht die Admonter Raute als Orientierung für unterschiedliche Bewährungsformen von Legitimität. In jedem Feld stellt sich die Frage nach der Rolle des Dritten anders: beim Klären des Gegenstands, beim Schutz innerer Betroffenheit, in der Ermöglichung von Antwortfähigkeit und in der Gestaltung tragfähiger Vereinbarungen.
c-it¹ – Legitimität durch Klärung
Im Feld c-it¹ bewährt sich Legitimität daran, ob der Dritte den Gegenstand ordnet, ohne ihn zu besitzen. Die Gefahr liegt in vorschneller Deutung, technischer Verengung oder einer Strukturierung, die bereits entscheidet, bevor verstanden wurde.
c-me – Legitimität durch Schutz
Im Feld c-me zeigt sich Legitimität daran, ob Selbstklärung möglich wird, ohne Verletzlichkeit freizulegen oder innere Prozesse zu vereinnahmen. Die Gefahr liegt in Übergriff, Psychologisierung oder zu früher Vertiefung.
c-us – Legitimität durch Antwortfähigkeit
Im Feld c-us bewährt sich Legitimität daran, ob Gegenseitigkeit vorsichtig entstehen kann, ohne Scheindialog oder Versöhnungsdruck zu erzeugen. Die Gefahr liegt darin, kleine relationale Bewegungen zu früh als tragfähigen Dialog zu lesen.
c-it² – Legitimität durch Gestaltung
Im Feld c-it² zeigt sich Legitimität daran, ob Vereinbarungen, Rollenklärungen und nächste Schritte tatsächlich tragen. Die Gefahr liegt in zu früher Lösungssprache und in Gestaltungen, die plausibel klingen, aber prozessual noch nicht bewohnt sind.
Format
Die Masterclass verbindet vier Webinare à 3 Stunden mit einer verbindenden Moodle-Begleitung im A_MMM Campus. Essays, Fallvignetten, Reflexionsaufträge und ausgewählte Beobachtungssequenzen vertiefen die Arbeit zwischen den Live-Terminen.
So entsteht ein Lernraum, in dem professionelle Autorität nicht nur begrifflich reflektiert, sondern als Prozessverantwortung genauer beobachtet werden kann: in der Art, wie der Dritte klärt, schützt, unterbricht, verlangsamt, strukturiert und gestaltet.
Didaktische Dramaturgie
Webinar 1: Was legitimiert den Dritten?
Einführung in Legitimität als prozessuales Beziehungsgeschehen. Unterscheidung zwischen Mandat, Rolle, Einfluss und tatsächlich erlebter Tragfähigkeit.
Webinar 2: Dienende Macht und Grenze
Arbeit an der Frage, wie der Dritte Struktur gibt, ohne zu dominieren, Schutz ermöglicht, ohne zu vereinnahmen, und Einfluss ausübt, ohne den Prozess zu besitzen.
Webinar 3: Legitimität in heiklen Übergängen
Fallarbeit zu Selbstklärung, Verletzlichkeit, Antwortfähigkeit und fragiler Gegenseitigkeit. Beobachtung dessen, woran legitime Verfahrensführung in sensiblen Prozesszonen erkennbar wird.
Webinar 4: Bewährung, Bruch und Gestaltung
Anwendung der Admonter Raute als Legitimationsraum. Entwicklung einer persönlichen Landkarte für die eigene Rolle, Einflussnahme und Prozessverantwortung.
Rahmen
4 Webinare à 3 Stunden
Verbindende Begleitung im A_MMM Campus
Fallarbeit, Reflexionsaufgaben und Peer-Resonanz
Kleine exklusive Gruppe
Max. 8–10 Teilnehmende
Die erste Durchführung ist für September bis November 2026 vorgesehen. Konkrete Termine und Teilnahmebeitrag werden mit Öffnung der Anmeldung bekanntgegeben.
Für wen diese Masterclass gedacht ist
Die Masterclass richtet sich an Mediator:innen, Prozessbegleiter:innen, Berater:innen, Supervisor:innen, Coaches und fortgeschrittene Ausbildungsteilnehmende, die die Rolle des Dritten in mediativen Verfahren vertieft reflektieren wollen.
Sie ist besonders geeignet für Menschen, die bereits über Grundlagen mediativer Gesprächsführung verfügen und genauer verstehen möchten, woran sich professionelle Autorität, dienende Macht und legitime Einflussnahme im konkreten Prozess bewähren.
Leitung
Die Masterclasses von A_MMM | mediation modern werden von Gustav Wurm und Elisabeth Wurm gemeinsam gestaltet. In ihrer Arbeit verbinden sie fachliche Präzision, didaktische Erfahrung und eine mediativ geprägte Prozesssensibilität, in der Struktur, Sprache, Beziehung und Reflexion nicht voneinander getrennt werden.
Gustav Wurm
ist eingetragener Mediator (BMJ), Erwachsenenbildner (wba), Unternehmensberater und Initiator des Ad_Monter Meta Modells. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Mediation, Governance und systemischer Prozessbegleitung. Er verbindet dialogische Feinarbeit mit struktureller Klarheit und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Übergangs- und Entscheidungssituationen. Zum Profil von Gustav Wurm
Elisabeth Wurm
ist eingetragene Mediatorin (BMJ), Juristin, Unternehmensberaterin und Erwachsenenbildnerin. Sie verbindet juristische Klarheit mit systemischer Beziehungssensibilität und begleitet Menschen in komplexen Konflikt-, Lebens- und Entscheidungssituationen mit Präsenz, Struktur und Vertrauen in das Potenzial von Beziehung. In die Masterclasses bringt sie eine klare, zugewandte Perspektive auf Veränderung, Verantwortung und würdige Prozessbegleitung ein. Zum Profil von Elisabeth Wurm